Das erste Koan des Abendlandes

sator

19. Mai 2018

Mein Tagwerk hat als Thema das berühmteste Palindrom der Geschichte: seit 1900 (eintausendneunhundert) Jahren (!) taucht es in/an verschiedensten Kultstätten und sakralen Orten in Europa auf. Es ist ein „Vierfach-Palindrom“, d.h.: es kann in vier verschiedenen Richtungen gelesen werden und ergibt immer dasselbe Ergebnis:

SATOR / AREPO / TENET / OPERA / ROTAS (s. Bild). Frei aus dem Lateinischen übersetzt, kann man lesen: Der Sähmann Arepo hält mit Mühe das Rad. Das kann sehr vielseitig oder gar nicht interpretiert werden. Nach meinem Dafürhalten handelt es sich um die lateinische Form eines „Koans“: ein Koan ist im Buddhismus eine kurze Geschichte oder eine Sentenz, die der Meister einem Schüler als Meditationsaufgabe gibt. Oft sind Koans bewusst „sinnlos“ gehalten – wie das Leben als sinnlos empfunden werden kann, bis man durch disziplinierte Meditation seinen eigenen Sinn darin findet. Das Bestehen eines lateinischen Koans aus der Zeit der Entstehung des Christentums erbringt für mich einen weiteren Beweis meiner These, dass die gedanklichen und spirituellen Grundlagen unserer neutestamentarischen Lehren stark vom Buddhismus beeinflusst wurde: zur Zeit der Entstehung war Palästina ja Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege, unter anderem auch aus dem fernen Osten, womit nachvollziehbar wird, wie das buddhistische Wissen seinen Weg in die Lehren Jesu und damit in das Neue Testament fand.

Das sogenannte „SATOR-Palindrom“ begleitet mich mittlerweile seit 45 Jahren: Während meiner Ausbildung in Stuttgart war meine liebste Freizeitbeschäftigung, mich im riesigen und reich bestückten „Wilhelmspalais“, der zentralen Stadtbibliothek Stuttgarts oder der unweit gelegenen Landesbibliothek durch jegliche Art von Wissen genüsslich „durchzufressen“. Im großen Eingangssaal der Landesbibliothek empfing mich immer das „SATOR-Palindrom“, im Stil der Zeit (70er) als großes Popart-Objekt gestaltet. Da ich so oft dort war, wurde „SATOR“ mit der Zeit mein persönliches Mantra und gleichzeitig Synonym für einen Ort, den ich bis heute zu meinen Lieblings- und Sehnsuchtsorten zähle: ich nahm fast bei jedem Besuch eine der kleinen Balkon-Nischen hoch über dem Hauptlesesaal mit herrlichem Blick auf die Stadtkulisse Stuttgarts in Beschlag und häufte auf meinen Schreibtisch, was immer ich interessant fand und im großen Schlagwortkatalog der Bibliothek gefunden (und dann per Bestellung ausgeliehen) hatte. Dieser Einrichtung verdanke ich ungezählte glückliche Studier-Stunden und einen unermesslichen Schatz an Erkenntnissen.

Zum Bild: Überwiegend Aquarell auf feinem Bütten, ca. 30 x 30 cm. Die Typographie wird manchen Schriftexperten vielleicht zum Wahnsinn treiben, ist aber für mich und meine Arbeit essentiell: es ist *meine* Schrift, die sich wie meine Handschrift immer wieder etwas verändert und in die im Lauf einiger Jahrzehnte Elemente aus Jugendstil, Gotik und Popart (und vielen weiteren Elementen) eingeflossen sind.

Wem das Motiv gefällt, der kann es in jeder beliebigen Größe auf Papier oder beschichteter Leinwand von 1 zu 1 bis ca. 100 cm groß als hoch lichtechten Einzeldruck bei mir bestellen (ab ca. 50 € > unverbindlichen Voranschlag bitte anfordern unter mail@t-w.de * auf Wunsch handsigniert)

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